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kugelschreiber








VITA

Ernesto eto Colini

Geb. Weihnachten 1943, bei Neuburg a.d. Donau. Bereits in der Grundschule ist den Lehrern sein künstlerisches Talent aufgefallen. Mit 16 Jahren die erste Beteiligung an einer Kunstausstellung in Ingolstadt.

Nach der Bundeswehr arbeitete er als Monteur in Deutschland und im Ausland, u.a. in Frankreich, der Schweiz, Italien und Bulgarien. In dieser Zeit beteiligte er sich an einigen Kunstausstellungen und stellte seine Arbeiten (Modern Art/ Kubismus) in den Städten der Länder aus, in denen er gerade als Monteur arbeitete.

Er lebt seit 1963 in München. Seit 1969 selbstständig. Er ist auch Erfinder. U.a. hat er ein Tischmurmelspiel / die geteilte Straßenbahnschiene / Dosen-Handpresse / den klappbaren Fahrradständer für TG-Stellplätze / eine PKW-Reifenspinne für Garagen u.a. erfunden.

Als Kunstsammler gründete er 1979, anfangs mit seiner eigenen Sammlung, in München eine Galerie, das Kunstzentrum Moosach, »die Galerie für Normalverbraucher«.

Im Namen dieser Galerie veran-staltete er zahlreiche Kunstausstellungen im Großraum München und Bayern mit Werken der verschiedensten Künstler, anfangs mit gegenständlicher Malerei, später mit Liebermann, Slevogt und Klassischer Moderne wie Dali, Hundertwasser, Ernst Fuchs, Warhol u.a. In dieser Zeit nahm er Malunterricht bei dem Münchner Künstler Fritz Hass (Impressionist) und. dem Kölner Maler Detlev Mecklenbroich (Porträts und Miniaturen ) und ließ sich von verschiedenen Künstlern inspirieren.

Der finanzielle Erfolg, den er mit dieser Galerie und seinen Ausstellungen hatte, ermutigte Colini zu Größerem. Er errichtete 1989 das Ausstellungsforum »KUNSTWERK« am Englischen Garten in München. Das KUNSTWERK war das größte private Ausstellungsforum für Künstler in Bayern, mit ca.
2.400 m² Ausstellungsfläche, Ateliers und Rahmenwerkstätten. Ständig waren ca. 60 Künstler aus Deutschland, USA und Europa im Forum vertreten. Er organisierte große Ausstellungen, u.a. mit Werken von Dali, Max Ernst, Deutsch-Französische Kunst- und Kulturwochen, Russische Künstler, Stars an der Staffelei, mit malenden internationalen Filmstars u.v.a.m.

Colini stellte in dieser Zeit fest, dass es für Zeitgenössische Kunst in herkömmlichen Weise, in der heutigen Zeit der neuen modernen Bauweise mit Glas, immer schwerer wird. Es gibt immer weniger Wandflächen. Dem wollte er Rechnung tragen und beauftragte einige Künstler, in dieser Richtung etwas zu schaffen. Da es jedoch keiner der beauftragten Künstler geschafft hat, wurde er selbst wieder künstlerisch tätig und kreierte die neue Kunstrichtung: »t.art«,transparente Kunst.

1993 musste Colini das Forum aus finanziellen Gründen aufgeben und zog sich für einige Zeit aus dem Kunstbetrieb zurück und betätigte sich als Makler.

Der Durchbruch mit t.art gelang Colini 1999, als er von neuen Farben eines Herstellers erfuhr, mit denen er durch eine bestimmte Maltechnik die Strahlkraft der Werke enorm erhöhen konnte.
t.art Objekte üben, viel stärker als normale Kunst an der Wand, einen großen Einfluss auf die emotionale Treibkraft und Psyche des Menschen aus und steigern durch ihre Ausstrahlung das geistige Wohlbefinden.

Seit einigen Jahren tritt Colini auch als Schriftsteller mit Erzählungen, Kurzgeschichten und Storys wie
Der Galerist, einem Krimi und
Tom Bax,
dem Weltraum-abenteuer eines Jungen, in Erscheinung.

www.etocolini.de




Ernesto eto Colini
Besuch einer »Vernissage«

Vor einigen Tagen lag in meinem Briefkasten eine Einladung zur Eröffnung einer Kunstausstellung, einer »Vernissage«. Gezeigt werden, nach dem was auf der Einladung zu lesen ist, ein Querschnitt von Arbeiten einer Künstlergruppe mit dem Ausstellungstitel »Aussagen zur Zeit«.

Wie kommen die an meine Adresse?
Gut, ich bewege mich zwar schon auf künstlerischem Terrain, habe aber nichts mit der normalen Form der heutigen modernen Kunst zu tun.

Habe ich irgendwo meine Adresse hinterlassen, oder haben die sich Adressen gekauft? Ich weiß es nicht. Ich bin nicht übermäßig reich oder ein Kunstsammler, der sich grundsätzlich alles ansieht; wahrscheinlich war es ein Versehen.

Ich entschloss mich, die Ausstellung anzusehen und zur Vernissage zu gehen. Die Vernissage begann um 19 Uhr. Das passte, ich hatte an dem Tag Zeit.

Der Ausstellungsort lag nicht gerade in der besten Wohngegend der Stadt, und auch die Location, eine alte, unschöne Fabrikhalle, sah von außen auch nicht gerade einladend aus, so dass jetzt schon die ersten Befürchtungen bei mir aufkamen. Obwohl, das muss nichts heißen, vielleicht braucht diese Kunst ja diesen Rahmen.

Als ich die große Stahltüre öffnete, musste ich erst einmal den Plastikvorhang, der als Kälteschutz angebracht wurde, zur Seite schieben. Dann stand ich in der Halle. Es roch leicht nach Stahlspänen und Bohröl, und es sah in der Halle, obwohl es mit Spots ausgestrahlt wurde, doch irgendwie düster aus. Auch waren bereits einige Besucher in der Halle verteilt. Ich war gottlob nicht der Erste, obwohl ich etwas zu früh dran war.
Zu meiner Rechten stand ein mit einem Papiertischtuch überzogener Tapeziertisch mit gestapelten Pappbechern, einigen Flaschen Rotwein und einem Packen Informationsmaterial darauf. Hinter dem Tisch stand eine dick eingemummte junge Frau, was ich auch verstehen konnte, denn es war ganz schön kalt in der Halle.
Sie sprach mich an.

»Guten Abend, darf ich Ihnen etwas anbieten? Rotwein oder Wasser?«

Ich entschied mich für Rotwein. Sie reichte mir einen vollen Becher, wobei ich mir bei der Kälte in der Halle wünschte, es wäre Glühwein. Ich nahm mir noch Informationsmaterial vom Tisch und wendete mich den Ausstellungsobjekten auf der rechten Seite zu. Gleichzeitig nahm ich einen Schluck des Weines zu mir.

Wenn mich in diesem Moment jemand beobachtet hat, muss er den Eindruck gewinnen, das Bild vor mir wäre das Grauen, da sich mein Gesicht zur Grimasse verzerrte. Es war jedoch nicht das Bild, vor dem ich stand, das mich so schüttelte. Es war der Rotwein, der so sauer war, dass man ihn kaum trinken konnte.

Obwohl, es hätte auch das Objekt an der Hallenwand sein können. Ein Werk, das mich sofort an schlecht bezahlte Reinigungsfrauen erinnerte. Auf einer schlampig über eine Holzleiste gespannten groben Leinwand, die nur oberflächlich und primitiv mit weißer Farbe bepinselt ist, hängt in der Mitte eine Art Wischmob in grau, der Farbe eines gebrauchten Putzlappens, heraus. Was will der Künstler damit sagen? Wahrscheinlich will er auf arme, ausgebeutete Putzfrauen aufmerksam machen.

Ich gehe weiter und bleibe bei einem hohen Brett stehen, das mit Axteinschlägen übersät ist und in der eine Axt steckt, die das Brett durchschlagen hat.
Was war los? Hatte der Künstler einen Anfall und seine Wut an dem Brett ausgelassen? Ich könnte es bei dieser Arbeit verstehen. Dann bestünde noch Hoffnung.

Es folgt eine Holzkonstruktion, bestehend aus sechs oder sieben Holzlatten vom Baumarkt, zusammengenagelt, rot angestrichen und in eine Art Christbaumständer gesteckt. Stellte es das Waldsterben dar? Aber wenn es so ist, wäre es eine Beleidigung für unsere Bäume, die, selbst wenn sie tot sind, noch besser aussehen.

Nun stehe ich vor einem, mit einem Absperrband eingefassten Sandhaufen, auf dem zig bunte Glasscherben liegen. Was soll uns das nun sagen? OK, wahrscheinlich wurde gestern in der Halle eine große Party gefeiert, man hat den Müll zwar zusammengekehrt, aber nur vergessen, den Abfall wegzuräumen.

Es folgte eine Neonröhreninstallation, die mich stark an Weihnachtbeleuchtung erinnert und eine weitere mit gekreuzten Reklameschildern. Das soll Kunst sein? Für mich eine echte Zumutung und für die heutige Zeit, in der man angehalten ist, Strom zu sparen, eine reine Energieverschwendung.

Nun kommt eine Installation mit Eisenteilen von einem Schrottplatz. Es ist für mich auch nach längerer Betrachtung nicht herauszufinden, was es aussagen soll. Wahrscheinlich wollte der Künstler nur das Schweißen üben. Ich weiß es nicht und ich frage den Künstler auch nicht, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Ich komme nun an einigen Objekten vorbei, die mich ganz stark an den Meister der Volksverdummung, an Josef Beuys erinnern. Ein Beuys in der Kunst reicht doch wirklich! Josef Beuys hat die Kunstwelt doch bereits genug verarscht, dem muss man doch nicht noch Einen draufsetzen.

Nachdem ich alle Objekte betrachtet habe, wobei ich einige wegen ihrer Banalität überhaupt nicht erwähnen will, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass die hier gezeigte Kunst nichts mit wahrer Kunst zu tun hat und etwas ist, was kein Mensch braucht und wahrscheinlich auch kein Mensch kaufen wird.
Das ist einfach nur »Mist«.

Wer hat diese Künstler gelehrt und gefördert?
Warum sagt man diesen »Künstlern« nicht die Wahrheit?

Kunst soll dem Menschen doch ästhetische Freuden bereiten und zum geistigen Wohlbefinden der Menschen beitragen und den Betrachtern nicht irrrationale Gedanken aufzwingen.

Doch wahrscheinlich sind ihre Lehrer auch irrational und können es nicht besser!

Die Halle hat sich zu meiner Überraschung nun doch etwas gefüllt, es gibt scheinbar doch viele Leute, die Zeit haben und gerne gratis etwas trinken wollen.

Ich blicke mich um, um zu sehen, ob sich in den Gesichtern der Besucher, beim Anblick der Objekte, oder beim Trinken des »Spitzenweines« etwas tut.
Ich sehe einige Pärchen, die sich vor den Objekten leise unterhalten und einige, die auch den Kopf schütteln. Bei Einigen, die gerade einen Schluck aus Ihrem Pappbecher nehmen, meine ich zu erkennen, dass sich Ihre Gesichter leicht verziehen. Bei denen, die keine Regung zeigen, handelt es sich wahrscheinlich um Leute, die es nicht anders kennen.

Es wird unruhig in der Halle.
Vom Eingang her bewegen sich einige Personen durch die Anwesenden hindurch auf die Stirnseite der Halle zu, an der ein Mikrofon steht. Es scheinen die ausstellenden Künstler zu sein, und in ihrer Mitte, ein fülliger Herr höheren Alters, der sehr wichtig aussieht bzw. so tut, als ob er es wäre. Es fällt mir auf, dass dieser Herr die ausgestellten Objekte keines Blickes würdigt.

Vorne angekommen klopft einer dieser Personen, wahrscheinlich einer der  ausstellenden Künstler, mit dem Finger auf das Mikrofon und spricht:

»Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kunstfreunde ...
Wir begrüßen Sie auf unserer Ausstellung und freuen uns, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Es ist uns eine Freude, Ihnen den Präsidenten der Kunstakademie, Herrn Professor Doktor Fridolin Lübesal-Rudel vorstellen zu dürfen. Herr Professor Lübesal-Rudel hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Eröffnungsrede für diese Ausstellung zu halten.«


Die Anwesenden drängen sich nun nach vorne um das Mikrofon bzw. zum Redner hin. Ich bleibe hinter den Anwesenden stehen und höre den Ausführungen des Herrn »Professors« zu.

Dieser begibt sich mit ernster Miene an das Mikrofon.

»Liebe Kunstfreunde,
gerne bin ich bereit, diese Ausstellung zu eröffnen und einige Sätze über die Werke der hier ausstellenden Künstler zu sprechen ...

Wie Sie sehen, wenn Sie die Werke betrachten, spiegelt sich in den Arbeiten der Künstler, die Vielfältigkeit, die Kreativität und die persönliche Note der Künstler wider. Die ausgestellten Arbeiten zeigen die dynamische Wucht, die Dichte, Komplexität und den rasanten Ablauf ihrer Kunst.
Einige Werke zeigen die Formen von Stille und Leere, die aus mediterranem Temperament geschaffen sind. Sie erzählen durchgängig die Präsenz der Ausdruckstärke in fast choreographisch versetzt stehender Sequenz, um dann gleich wieder die Geschlossenheit aufzunehmen, wobei das Auge zwischenzeitlich durch Licht erquickt wird ...«


Anfangs hörte ich nur gelangweilt zu, da ich nur die üblichen Floskeln, die bei Eröffnungsreden gesprochen werden, erwartete, doch als ich dann die weiteren Ausführungen des Redners vernahm, drängte ich mich nun doch zwischen einigen Personen hindurch nach vorne, denn die Betrachtungen des Professors zwangen mich geradezu, nach vorne zu gehen.

Der Redner weiter:

»Die akzentuierenden Momente in den Arbeiten, entgehen jeder Gefahr der naiven Illustration. Im Gegenteil, sie stülpen die Kraft der Künstler nach außen, um sie dem Kenner darzureichen, um sie in Ihrer Wahrnehmung glücklich und trunken aufnehmen zu können ...«

Nun war ich in der ersten Reihe und konnte mich einfach nicht mehr zurückhalten und musste den Redner ansprechen:

»Entschuldigen Sie die Unterbrechung, darf ich Ihnen eine Frage stellen?«

»Aber bitte sehr mein Herr, was wollten Sie mich fragen?«

»Sagen Sie mal, glauben Sie den Scheiß, den Sie hier quatschen, eigentlich selbst, alles was hier ausgestellt ist, ist doch nur Schrott und keine Kunst. Es ist für jeden Betrachter mit gesundem Menschenverstand eine Zumutung.«

Der Redner, Herr Professor Lübesal-Rudel, starrte mich an, antwortete jedoch nicht, sein Blick ging suchend in die Runde und in die Gesichter der Anwesenden.
Für einige Sekunden war es total still in der Halle, dann Gemurmel und dann wurde es laut. Es waren vor allem die Künstler, die sich aufregten.

»Was soll denn das?«
»Wie kommen Sie dazu, den Herrn Professor so anzugreifen?«
»Sie haben doch keine Ahnung.«

»Sie verstehen doch gar nichts.«
»Wer sind Sie denn überhaupt, dass Sie so daher reden?«

Darauf gab ich denen keine Antwort. Gott sei Dank bin ich noch nicht so berühmt, dass mich jemand erkannte.

Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion unter den Besuchern, wobei mir einige zustimmten und die anderen dagegen argumentierten.
Ich selbst hatte mich inzwischen etwas zurückgezogen und stand nur noch teilweise im Mittelpunkt. Der Redner, »der Herr Professor« hatte inzwischen das Podium verlassen und sich auch unter die Diskutierenden gemischt.

Als dann von irgendeiner Person die Aufforderung an mich kam:
»Sie verlassen besser die Ausstellung ...«,
bin ich dieser, mit einem Lächeln auf den Lippen und aufrechtem Gang, nachgekommen.

Auf dem Wege zum Hallenausgang musste ich mir von einigen Künstlern noch diverse Beschimpfungen anhören, wobei ich aus den Augenwinkeln bemerkte, dass mir einige Besucher auch zunickten.

Als sich hinter mir die Hallentüre schloss, fühlte ich mich großartig und war froh, meine Meinung zu dieser »Kunst« ausgesprochen zu haben und es dem großartigen »Herrn Professor« diesem Schwätzer und Wichtigtuer, der den guten Künstlern nur schadet, es einmal richtig gegeben zu haben.

Was dann weiter in der Halle ablief, ist mir nicht bekannt und war mir auch egal. Für mich war es ein schöner Abend.

Ich muss in Zukunft öfter eine Vernissage besuchen ...


© Text: Ernesto eto Colini