Peter Kochinke
Die Geschichte von Tlewred
Prolog
Revolutionen entstehen und vergehen. Manche sind entstanden um im Laufe der Zeit zermalmt zu werden, weil es noch nicht Zeit war. Andere Revolutionen waren korrupt und dadurch unfähig, diese glaubten nie an die Macht ihrer Ideale, sondern an die Macht der Selbstbereicherung. Dann gibt es Revolutionen welche von Außen angegriffen wurden, die bisher genannten zerbrechen rasch ohne großen Widerstand oder werden zu ihrer eigenen Konterrevolution, aber es gibt die dadurch wachsen und stärker gedeihen, andere schnappen nach Luft und nur große Staatsmänner können sie leiten und in trockene Tücher bringen. Andere Revolutionen müssen über Jahrzehnte ausgefochten werden. Dadurch kann es passieren, dass ihre einstigen Führer das Ende selber nicht mehr miterlebten.
Hier wird von einer Revolution geschrieben, die wie jede andere ihren Weg geht, um ihr Ende an einen Triumphbogen zu finden oder in einer Sackgasse. Diese Geschichte ist nie passiert und spielt nicht in unserer Welt, doch was dort geschah kann auch hier geschehen.
1.
Der blaue Planet lebte in einer Zeit in der die Menschen schon weit entwickelt waren. Sie lernten immer schneller neue Krankheiten zu besiegen, ihre Wirtschaft profitabler und ihre Landwirtschaft intensiver zu nutzen. Doch jede Entwicklung, welche die Menschen je machten, brachte Leute auf den Plan die sich ihrer Position bedroht fühlten. Solche Menschen sind unberechenbar, wenn man sie nicht beobachtet oder ausschaltet, werden sie es mit ihren Feinden machen. Zum Schutze vor den rückständigen Geistern erhoben sich Menschen in allen Königreichen, Republiken und Föderationen. Sie sahen einen Feind in der Zukunft des Planetens, welcher ausgeschaltet werden musste. So riefen die Regierungschefs, Präsidenten, Diktatoren, Könige, und wie die Entscheidungsträger noch benannt wurden, aus, dass alle Staatsgrenzen fallen müssten und die Erde dadurch in ein neues glorreiches Zeitalter geführt würde, ohne Leid, Elend und Krieg. So steht es in allen Geschichtsbüchern, das geschah zum Wohle der Menschheit.
Viele folgten ihren Herrschern ohne zu hinterfragen oder sich zu wehren in diese neue Epoche „Der Weltregierung“, aber es gab aufständische Bürger, Bauern, Arbeiter, Industrielle,geistlichen Adel, weltlichen Adel, Geldadel und auch ganze Länder, die sich wehrten. Die Jahrzehnte der Kriege waren blutig und belastend für die Menschen. Doch dann trat das unvermeidliche ein. Die aufständischen Truppen und Länder waren in ihrer Größe, ihres Reichtums an Rohstoffen und Geld kleiner als der des Weltstaates und so wurde der Krieg immer unausgeglichener und bald waren sie geschlagen.
Viele starben auf den Schlachtfeldern, aber einige versteckten sich. Sie versteckten sich mit dem Gedanken im Herzen, dass sie bald wieder kommen würden mit einer neuen Armee, um das Unrecht zu besiegen. Doch die Zeit verging und es kam niemand zurück, doch die Weltregierung sollte bald zum 159.Jahrestag zusammen kommen um ihr bestehen zu feiern und ihre Strategie zu beraten. Damit es nie wieder Aufstände auf der Welt geben sollte. 26Tage vor dem 159-jährigen bestehen der Weltregierung und 1Jahre nach der letzten großen Schlacht sollte wieder Hoffnung aufkommen auf einer kleinen Insel auf diesem doch so schönen blauen Planeten.
In Nambuk war es ein schwüler Tag, wie es für die tropische Insel Tropico typisch war, dennoch schubsten und drängten sich die Menschen durch die engen Gassen, um ihren täglichen Geschäften nach zugehen. Von links und rechts schrien die Händler und warben für ihr bunten vielfältigen Waren. Man konnte mittlerweile so ziemlich alles kaufen, was auf der Welt hergestellt wurde. So lange es haltbar war oder auf dem Seeweg transportierbar. So konnte man gerlanische Hühner kaufen, die pechoanische Küche genießen oder sich mit trabelanischer Seide einkleiden.
Die Menschen hatten keine Augen für ihres gleichen, sondern strömten wie Lachse in ihren Flüssen entlang. Darauf fixiert schnell nach Hause zukommen und sich mit der längst unaktuellen Morgenzeitung zu beschäftigen. Alles schien sowie immer.
Doch nicht weit weg von diesen Trubel, lag eine kleine Kneipe in einer Seitenstraße. Es war nichts besonderes. Es war wie alle Häuser in dieser Stadt durch die tropische Witterung leicht zerfallen, denn renovieren konnte sich längst keiner mehr leisten. Man war froh, wenn man seine Habe bewahren konnte, selbst wenn es nur ein Schritt vor dem Zerfall war. Die Kriege hatten die Staatskasse geleert, wenn nicht so gar geplündert, die Wirtschaft hatte sehr unter den Kriegen gelitten. Für den Krieg musste Eisen und Stahl verschossen werden, welches besser als produktive Maschinen gedient hätten.
Das innere des Hauses erinnerte an das Klischee der verruchten Spielunke, wo man abends betrunkene Gauner und leichte Mädchen erwarten würde. Doch es war noch zu früh für jene Kundschaft und obwohl die Kneipe sonst immer offen hatte, hing draußen ein Schild mit großen Lettern „Geschlossen“.
Der Kneipenwirt Wertez hatte heute eine geschlossene Gesellschaft zu bewirten, jene sich sich stets an diesen Tag um diese Uhrzeit hier traf. Die besonderen Gäste waren 6 Männer. Sie saßen zusammen in dem dunklen feuchten Keller mit schwachen Kerzenlicht und von überall her roch es vermodert. Der Keller diente dem Wirt als Lagerraum für seine Spirituosen, Räucherwaren und Konserven. Jemanden aus der höheren Schicht hätte es wohl glatt den Appetit verdorben bei dem Anblick von Ratten und Kakerlaken, die auf den Boden um her liefen, welche nach ihren Teil suchten. Von den großen alten Spinnennetzen ganz zu schweigen, die wie alte Lumpen in den Ecken hingen. Der Raum diente, aber seinem Zweck als Versteck, den es hatte keine Fenster und dadurch war horchen für ungebetene Gäste unmöglich. Die massive Holztür verhinderte, das selbe von innen.
„Wir brauchen endlich einen Plan! Verflucht nochmal! Wir kommen schon seit verdammten Jahren, Monaten, Tagen immer wieder hier her und was ist?! Wir sind zu einen lächerlichen Debattierklub verkommen!“, schrie einer der Männer und schlug mit seiner Faust auf den Tisch, so dass die Schnapsgläser nur so klirrten. Sein Name war Quinque. Er war ein groß und gut gebauter Mann in den 30zigern. Sein Gesicht war zornig und seine lockigen Haare wirkten wie einzelne Spiralen auf seinen Haupt. „Was willst du?! Die Sache ist doch nicht so einfach, wie wir uns anfangs dachten.“ ,sagte ein junger Mann mit Brille und warmen blauen Augen. Er stach aus der Gruppe heraus, weil seine Kleidung aufwendig genährt wurde und die Stoffe von hoher Qualität waren. Es gab an ihr nichts auszusetzen. Kein Schmutzkörnchen, noch ein Loch waren zu erkennen. Er war ein Sprössling einer Industriefamilie und führte diese nun schon seit 6Jahren alleine, nachdem seine Eltern sich auf´s Altenteil zurück gezogen hatten. Seitdem leben sie auf einer kleinen Insel mit einem Haus und Angestellten in einer trockenen Gegend, welche besser war für das Asthma des Vaters. Ein wahrer Traumruhestand.
„Nein Steven! Quinque hat schon recht. Wir sind zu nichts gekommen, jedes mal reden wir nur über das Für und Wider, aber zum Schluss gehen wir ohne Ergebnis.“, sagte ein Endzwanziger gekleidet in zerzausten Sachen. „Danke, Tunkes.“ ,wendete sich Quinque an seinen Kollegen. „Ich habe über die Monate euch immer wieder erzählt, dass wir nur ein Funken sein müssen, um die Leute hinter uns zu bringen und das Regime zustürzen. Sie sind endlich soweit und werden dafür kämpfen!“ sagte Tingel zu Feuerberg. Seine Familie gehörte einst zu den einflussreichsten Familien der Insel. Seine Sippe verlor alles, mehr als nur Hab und Gut, als er noch ein kleines Kind war. Die Familie war angesehen, aber nachdem sie während einer Krise des Systems, in den Verdacht geraten war den Staat und seine Gesetze zu hintergehen und damit das Leben aller Staatsbürger zu gefährden, kam die Macht des Staates zum Einsatz. Danach kam der junge Tingel zu einem Menschen, der früher im Hause seiner Familie gearbeitet hatte und wurde von ihm großgezogen. Der Junge war ein wahrer Hitzkopf und hieß deswegen bei allen nur „Sporn“.
An Tingel gewandt, meldete sich eine alte raue Stimme: „Nein, so leicht ist es nicht Sporn ... Die Menschen glauben, dass was ihnen vertrauenswürdige Personen sagen, besonders jenen welche sie auf Veranstaltungen, Seminaren, Konferenzen oder irgendwelchen Zeitungen mal gesehen haben. Egal wie sinnlos und dumm die Behauptungen auf dem 2. Blick sind.
Nein! Nein! So einfach wird es nicht... auch wenn sie längst nicht mehr der Regierung vertrauen, vertrauen sie immer noch anderen Lügnern die für diese Leute arbeiten oder ihre eigenen verlogenen Interessen ....“ Es war der Ziehgroßvater von Tingel Alfred. Er war ein alter Mann mit einen langen weißen Bart. Diese Gesichtshaare wurden von ihm immer straff bearbeitet, wenn er nach dachte. Da begann er sie mit seinem Mittel- und Zeigefinger auf zu rollen und wieder lang zu ziehen, sowie er es jetzt auch tat.
Nun schauten alle bedrückt auf den Tisch und niemand traute sich was zusagen. Langsam schleifte sich ein Schatten aus der Dunkelheit ans Licht. Welcher schon die ganze Zeit das Gespräch belauscht hatte und meinte:„Die Zeit steht doch günstig, die Menschen sind zwar verblendet durch die „werten Wissenschaftler“, aber wenn man ihnen das Beste vom Himmel verspricht, dann sind sie Feuer und Flamme. Was wir brauchen sind Waffen und nicht mehr. Lügen kann jeder von uns oder besser gesagt, unschöne Dinge auslassen. Unserer Regierung ist nicht gerade intelligent, aber so was packen sie auch.“, es war ein kleiner gnomartiger Mann, der Kneipenbesitzer. Alle schauten ihn mit trüben und fragenden Blick an, außer Tingel war Feuer und Flamme.
Quinque war es, der aussprach, was alle dachten: „Wir haben keine Waffen und wir werden auch keine einfach so geschenkt bekommen. Die Produktionsstätten werden alle stark bewacht, legal kaufen ist nicht drin und illegal? So viele Waffen bekommen wir nicht auf dieser Insel, selbst wenn Steven seine Taschen weit öffnet. Wir besitzen nur 10 Gewehre und wenn überhaupt 500Schuss.“- „Ja genau! Wie stellst du dir das vor?“, fragte Steven. „Ihr vergesst, da was.“ Sagte der Alte mit seinen langen weißen Bart an den er ununterbrochen zog. Nun schauten die anderen am Tisch ihn erwartungsvoll an. „Nun es ist doch so, dass Wertez, nie den Mund aufmacht ohne einen Plan zu haben. Oder?“ -„Genau Alfred, Nämlich vor ein paar Tagen, besser gesagt Nächten, kam ein Soldat in meine Bar und betrank sich wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe. Er erzählte mir in seinen Suff davon, dass in einigen Tagen ein Waffentransport durch geführt wird. Aber auf keinen uns bekannten Weg, sondern einen Schleichweg des Militärs. Das machen sie um weniger auf zufallen, damit keiner auf dumme Gedanken kommt. Dann erzählte er, dass man diese Karawane locker mit 4 Mann überwältigen könnte mit einem billigen Hinterhalt. Da die Soldaten durch den langen Ritt von Nambuk nach Moncasada, total fertig wären, durch die Unebenheiten und Stupidität. Wodurch die Soldaten auch gerne mal zur Flasche greifen. Was mir auch persönlich recht ist.“, lachte der alte Wirt und erzählte weiter, „„Die Langeweile bei dem Aftrag soll sie mehr zermartern als das schlechte Essen in den Kasernen.“, hat er gesagt.“ sprach Wertez mit einen träumerischen Unterton.
Tunkes gefiel diese Nachricht und erkundigte sich: „Wie viele Waffen und Munition können wir erbeuten?“ „Er war vielleicht betrunken, aber so blöd, dann leider auch nicht.“ ,scherzte Wertez. „Weißt du wenigstens wo die Karawane ist und wo?“ fragte Sporn. „Für wen hältst du mich? Ihr kommt heute allesamt um 24 Uhr zur verlassenen Fabrik. Bringt alle eure Waffen mit, dann werde ich euch näheres erzählen.“ sagte der Wirt und ging zur Treppe hinauf, damit er bald seine Bar öffnen konnte.
Der alte Alfred erhob sich aus seinen Stuhl mit Schwung. Er nahm seinen Mantel von der alten kaputten Stuhllehne und zog ihn an: „Dann sehen wir uns morgen. Mein Freunde. Ich muss heute noch ein bisschen Rentner spielen, bevor die Leute denken ich hätte noch alle Tassen im Schrank.“ Die Runde lachte, aber dennoch lag jetzt etwas in der Luft und die Gruppe verstummte schnell wieder und der Alte ging langsam die knarrenden Treppen hinauf. In diesen Augenblick konnte man es fast auf der Haut spüren. Revolution lag in der Luft.
Die Nacht war klar und dadurch ausgesprochen kalt. Doch man konnte leicht die wunderschönen Sterne am Horizont ausmachen und in romantische Träume verfallen. Die Stadt war nun genauso. Kein Mensch zu sehen und vereinzelnd nur Lichter in den Häusern zu erblicken. Niemand traute sich um diese Uhrzeit noch raus, weil nun das Gesindel erwachte und herum stolzierte. Sie machten los um ihre Schutzgelder zu erpressen oder ihre illegalen Waren zu vertikken . Dies war nicht schwer da sie niemand daran hinderte, da die Polizei mehr als korrupt war. Der Zerfall dieser begann bei der ersten Krise der Weltregierung. Erst fiel es gar nicht auf, aber dann drehte sich der Strudel immer schneller. So wanderte bald keiner mehr draußen herum ohne einen wichtigen Grund, außer sie waren Polizisten oder Verbrecher.
Die Fabrik, von der Wertez sprach, lag im Schatten der Stadt, an einer Stelle, wo das Gestein sich aus den Boden hob. Daher war die Fabrik auch Bestandteil des örtlichen Steinbruchs gewesen und brachte einst Wohlstand in die kleine Hafenstadt. Früher waren dort viele Banditen, die ihren Geschäften nachgingen, aber nach einen Brand kam niemand mehr hier her in das einsturzgefährdete Gebäude. Außer zwei Gesellen, bewaffnet bis auf die Knochen, trieben sich heute dort herum.
„Was meinst du?“ fragte der Dünnere von Beiden. „Was den?!“ knurrte der Mann mit den lockigen Haaren. „Ich meine, dass die Revolution jetzt beginnt., Quinque?“ Quinque zog eine seiner Augenbrauen hoch und meinte: „Du wirst es noch früh genug erfahren und jetzt halt die Klappe Sporn, sonst wirst du das erste Opfer dieses Revolutionsversuchs!“ „Okay. Okay.“ sagte Tingel bremsend und folgte Quinques Blick in die stillen Gassen.
Die Gasse war leer und die Dunkelheit machte auch keine Anstalt demnächst einen Menschen preis zugeben. Plötzlich hörten sie ein Knirschen hinter sich und drehten sich erschrocken um. „Mensch Leute ich bin’s nur. Selber Lärm machen wie eine Horde Elefanten und dann so erschrecken, beim kleinsten Geräusch.“ sagte Tunkes hämisch lächelnd. In seiner rechten Hand hielt er ein Gewehr, welches schon bessere Jahre gesehen hatte und an der Hüfte trug er eine Machete, sowie eine kleine Tasche mit Munition. „Wo ist den der Rest?“ erkundigte sich Tunkes und verzog sein Gesicht. „Keine Ahnung die müssten längst da sein.“ Beschwerte sich Tingel. „Ihr kennt sie doch alle, wie sie es mit der Pünktlichkeit halten.“ sagte Quinque. Darauf meinten die anderen Beiden seufzend: „Gar nicht ...“
© Text: Peter Kochinke

